Quer durch Deutschland und zurück!

Das Einpacken wird irgendwann zur Routine. Jeder Handgriff sitzt und jede Tasche hat im geräumigen Caddy seinen Platz. Es war eine gute Entscheidung, mit dem Einpacken am frühen Morgen zu beginnen, da die Temperatur im Laufe des Tages immens steigen sollten. Zum Fahren war es dann doch irgendwann nicht mehr angenehm, da meine Klimaanlage vor einigen Monaten den Geist aufgegeben hat und ich habe irgendwie nicht die Zeit gefunden, eine Werkstatt aufzusuchen, um es reparieren zu lassen. Schließlich wollte ich das schöne Wetter und die freien Tage am Wasser verbringen. Alex und ich waren mit dem Einpacken fast zur gleichen Zeit fertig.

 

Nach einer Verabschiedung stieg jeder in sein Auto und wir fuhren in unterschiedliche Richtungen los. Mein Weg führte wieder in Richtung Norden. Ich fuhr noch eine Weile entlang des Flusses und mein Blick schweifte regelmäßig darüber. Das fließende Gewässer, die Kurven, unterschiedliche Breiten, das Ungewisse und die Frage, wie viele verborgene Schätze der Fluss wohl noch besitzt und ob er diese irgendwann mal zum Vorschein bringen wird? Genau DAS macht den Fluss für mich attraktiv und die Angelei dort so spannend. Die Bedingungen können sich von einen Tag auf den anderen ändern und das Angeln entweder zu einem unvergesslichen Erlebnis machen oder zur Hölle, an der man sich die Finger verbrennt.

 

Bevor es zur nächsten Session gehen sollte, machte ich noch einen kleinen Abstecher zu meinem Onkel, um ihm einen Besuch abzustatten und einfach mal ordentlich zu duschen. Bei dieser Gelegenheit habe ich das Grab von meiner Oma und meiner Tante  besucht. Schließlich wusste man ja nicht, wann es einen wieder in diese Gegend verschlägt, denn die Entfernung macht es einem nicht so einfach regelmäßig dort zu sein. Von dem Parkplatz lief ich einige Meter und betrat das Gelände des Friedhofes. Das Gefühl der Trauer, welches ich vorher unterdrückt habe, machte sich in mir breit und die Gedanken an die Vergangenheit wurden wieder geweckt. An den Gräbern verbrachte ich etwas Zeit, um etwas nachzudenken. In der Zeit zupfte ich das wenige Unkraut von den Gräbern weg, welches in den letzten Tagen dort gewachsen ist und befüllte die Blumenvasen mit den mitgebrachten frischen Blumen. Nach einer Weile ging ich wieder in Richtung Parkplatz und dachte darüber nach, wie viel Zeit wir in unserem Leben für die unbedeutenden Dinge verschwenden und wie wir es verlernt haben die kleinen Dinge des Lebens zu schätzen. Sei es im Beruf, in einer Beziehung oder in unserem Hobby. Man streitet, diskutiert oder ärgert sich über Dinge im Leben, die wenig Bedeutung haben, aber den gemeinsamen Erlebnissen und der gemeinsam verbrachten Zeit schenken wir wenig bis gar keine Aufmerksamkeit.

 

Am Auto zurückgekehrt, sollte es endlich wieder in Richtung Autobahn gehen. Schließlich hatte ich noch gut 3 Stunden Autofahrt vor mir und an einem Donnerstag wollte ich nicht unbedingt im Berufsverkehr hinter gestressten Autofahrern und LKW schlendern. Auf dem Weg zum See habe ich mich während der Fahrt telefonisch mit meinem Angelpartner abgestimmt. Jan musste an dem Tag etwas länger arbeiten und der Plan sah so aus, dass ich erst einen Platz für uns aussuche und eventuell schon etwas Location betreibe, um vielleicht  die ersten Spots oder Unebenheiten ausfindig zu machen. Für mich war der See ein unbeschriebenes Blatt und ich hatte kaum Vorstellungen, was mich dort erwartet. Nur über Google habe ich mir vorher einen Überblick verschafft. Auch für Jan war dieser See; Neuland angel-technisch gesehen. Also waren wir beide darauf gespannt, was uns dort erwarten würde. Über das Telefon hat mich Jan schon mal etwas eingewiesen und mir gesagt, wo ich das Auto abstellen kann und wie ich ans Ufer komme, da er zuvor diesen einmal besuchte. Die Autofahrt verging relativ schnell und zum Glück war die Autobahn nicht so voll.

 

Kurz vor dem See wurde noch ein Supermarkt aufgesucht, um die nötigen Vorräte für die nächsten Tage aufzustocken. Was das Futter für die Fische angeht, naja davon habe ich immer zu viel bei. Schließlich weiß man ja nicht, was einen erwartet und lieber lasse ich etwas im Auto, als dann ohne Futter da zu sitzen oder eventuell die Session abzubrechen, weil es zu gut läuft.

 

Nachdem das Auto auf dem durch Jan empfohlenen Parkplatz abgestellt wurde, wurde das eigene Ufer direkt inspiziert. Die ins Auge geworfene Stelle gefiel mir ganz gut und von da aus konnten wir fast den gesamten See befischen. Leider fiel mir auf, dass auf der gegenüberliegenden Seite zwei Angler saßen und nur schwer konnte ich deren Ruten erkennen. Dadurch konnte ich nur vermuten, in welchem Bereich des Sees sie ihre Montagen abgelegt haben. Es blieb mir nichts anderes übrig, als rüber zu fahren und mal das Gespräch zusuchen, um zumindest zu erfahren, welchen Bereich wir befischen könnten, ohne uns gegenseitig in die Quere zu kommen. Auf der anderen Seite angekommen sprach ich die beiden Jungs an. Am Anfang waren sie etwas verschlossen, aber im Laufe des Gespräches haben sie mir ein paar Informationen mitgeteilt. Nach dem Gespräch war ich etwas enttäuscht, da sie die Ruten in verschiedene Richtungen ausgelegt haben und uns dadurch nur etwas von dem eigenen Ufer und eine Bucht übrig blieb. Diese (nicht) erfreuliche Nachricht überreichte ich meinem Partner und er fragte, ob wir eventuell doch auf ein anderes Gewässer ausweichen sollten. Nach einer kurzen Überlegung schlug ich vor, hier zu bleiben und das Beste aus der Situation zu machen. Vielleicht könnten wir ja doch den einen oder anderen Fisch fangen oder zumindest die ersten Erfahrungen an dem See sammeln. Jetzt hieß es schnell das Auto entladen, die Sachen das steile Ufer runter schleppen und aufbauen. Zuerst wurde nur das Nötigste runtergebracht. Den Rest wollte ich nach und nach, nachdem die Ruten ausgelegt wurden, ans Ufer schaffen. Schließlich habe ich schon ziemlich viel Zeit durch das Herumstöbern am Ufer verloren. Ich befand mich gerade auf dem See, als Jan das steile Ufer runterkam. Ich drehte wieder um und paddelte Richtung Ufer. Dort begrüßten wir uns und freuten uns auf unsere zweite gemeinsame Session des Jahres. Leider schafften wir es aus beruflichen und privaten Gründen nicht öfters gemeinsam ans Wasser, aber umso mehr freuten wir uns auf diese Session. Nachdem auch die Sachen von Jan am Ufer waren, fing er langsam mit dem Aufbau an. Ich sprang in mein Boot und fuhr noch einige Runden auf dem See. In der Bucht, die uns zur Verfügung stand, konnte ich einige kleine Fische entdecken. Es erfreute mich, da die Chance dadurch auf einen Fang deutlich angestiegen ist. Ich vermutete dort mehr Fische, da auch der Wind fast die ganze Zeit in diese Bucht reindrückte und bei der Hitze kann es die Angelei positiv beeinflussen. Mit dem GTM Fish Hawk konnten wir zusätzlich noch die Sprungschicht ermittelt. Ich für meinen Teil wollte mit beiden Ruten über der Sprungschicht bleiben, während Jan erst mal was anderes ausprobieren wollte. Wir entschieden uns fast den kompletten Zugang zur Bucht großflächig

 

 

zu befütterte, um die vorbeiziehenden Fische auf das Futter aufmerksam zu machen und sie dann dort beim Fressen abzufangen. Eine Rute legte ich an das eigene Ufer unweit von einem ins Wasser gefallenen Baum ab. Aufgrund des klaren Wassers konnte ich dort eine alte Fressstelle ausfindig machen. Als Köder benutzte ich zwei XXL-Maiskörner und eine Fake PopUp Tigernuss. Gefüttert habe ich auch nur zwei Hände Partikel. Die anderen drei Ruten verteilten wir, wie zuvor abgesprochen in dem Zugang zur Bucht. Ich legte meine zweite Rute rechts am Zugang und über der Sprungschicht ab. Als Köder benutze ich wieder mal den White Fish Galric von COD in 15mm und einen neutralen pinken PopUp in 10mm. Die Farbkombinationen finde ich sehr interessant, da der White Fish Galric im Wasser eine Art Purpur annimmt und dadurch auch ohne PopUps sehr auffällig und interessant aussieht. Aber nicht nur das Optische, sondern auch die Kombination aus Fischmehl, Robin Red und Knoblauch hat mir schon so einige gute Fische gebracht. Dadurch hat der Köder mein vollstes Vertrauen und das ist das wichtigste beim Angeln. Vertrauen in sein eigenes Handeln. Jan legte eine Rute in der Mitte unterhalb der Sprungschicht und eine links auch oberhalb ab. Danach verteilten wir großflächig das Futter; bestehend aus Partikel und Boilies in unterschiedlichen Größen und Formen. Dabei verzichteten wir mit Absicht auf eine Schaufel und verteilten das Futter mit den Händen. So wollten wir das punktuelle Liegen des Köders am Grund vermeiden. Jedes einzelne Korn und jeder Boilie wurde per Hand ins Wasser befördert. Die Abendstunden verliefen ruhig. Erst kurz bevor wir schlafen gingen, meldete sich die Rute, die am eigenen Ufer lag. Ich konnte den ersten Fisch erfolgreich landen. Hierbei handelte es sich um einen kleinen Graser. Der erste Fisch war gelandet und das machte Hoffnung auf mehr. Erst am nächsten Morgen lief auch eine Rute von Jan ab. Nach einem schönen Drill konnte auch er den ersten Fisch landen. Hierbei handelte es sich um einen schönen Schuppi, der unterhalb der Sprungschicht in dem Zugang zur Bucht biss. Kurze Zeit später bekam auch ich einen Biss. Verlor den Fisch aber leider. Doch was die nächsten Tage passierte, war einfach unglaublich. Nachdem Jan schon einige Fische fangen konnte, musste ich an meiner Rute auch etwas verändert. Ich zog meine Rute tiefer in den Zugang rein und legte sie nicht weit von der Bucht ab. Danach ging es bei mir auch Schlag auf Schlag. Die Fische bissen wie verrückt und wir drillten einen Fisch nach dem anderen. Die meisten Fische bissen über der Sprungschicht und es lief wie am Schnürchen. Die Fische waren nicht die schwersten aber wir hatten sie auf unserem Platz. Was uns aber dabei auffiel, war die

 

Kampfstärke der Fische. Diese war außergewöhnlich und sogar die ganz kleinen Fische hatten mächtig Power und kämpften besser als manch einer mit deutlich mehr als 20 Pfund. So verbrachten wir den ganzen Tag mit drillen. Wir konnten teilweise nicht mal einen Kaffee in Ruhe trinken. Was uns ja selbstverständlich nicht gestört hat, da wir ja schließlich zum Angeln da waren und nicht zum Kaffeekränzchen. Eine Situation möchte ich hervorheben. Ich bekam einen Biss. Drillte den Fisch vom Boot aus und kescherte ihn erfolgreich. Am Ufer angekommen stand Jan schon bereit und übernahm den Fisch. Nachdem wir ihn versorgt hatten, fuhr ich die Rute wieder auf den Spot. Dort angekommen legte ich die Rute wieder sauber ab und fütterte noch etwas nach. Danach machte ich mich auf dem Weg zum Ufer. Am Ufer übergab ich die Rute Jan und befestigte das Boot. Jan hielt in der Zeit die Rute in seiner Hand und plötzlich hörte ich FISCH, FISCH. Ich verstand nicht, was er meinte, aber als ich meinen Kopf hob, sah ich das Jan mit der gerade abgelegten Rute stand und diese in dem Moment ziemlich krumm war. Er wollte mir die Rute direkt wieder übergeben, aber ich sagte ihm, dass er es machen soll, da ich ja schließlich gerade erst einen Fisch gedrillt hatte. Den Fisch konnte er auch erfolgreich landen und wir waren schon etwas baff von der Situation und machten uns über das Geschehene lustig. Der Freitag verlief super und jeder von uns hat schon richtig gut gefangen. Ich habe irgendwann schon aufgehört zu zählen, aber an dem Tag fing alleine ich so um die 10 Fische. Die Fische hatten zum Glück Gnade mit uns und hörten ab zirka 23 Uhr mit dem Fressen auf und klingelten uns gegen 6 Uhr morgens erst wieder wach. Ab da begann dasselbe Spiel von vorne. Uns blieb nur noch eine Nacht und wir wollten

 

mal was Neues ausprobieren. Die Jungs von der anderen Seite verließen den See im Laufe des Vormittages und so hatten wir den See komplett für uns. Mein Partner wollte neue Plätze ausprobieren, während ich weiterhin in dem Zugang fischen wollte. Aber auch ich änderte etwas. Meine Rute am eigenen Ufer brachte keinen weiteren Fisch, also nahm ich diese raus. Dabei fiel mir auf, dass das Futter nach dem Graser unangetastet liegen geblieben ist. Anscheinend fischte ich mit der Rute komplett an den Fischen vorbei aber ich ließ sie die letzten Tage trotzdem unangerührt in der Hoffnung liegen, dass da doch noch eventuell ein Dicker vorbeikommt. Leider war es nicht der Fall. Nun hieß es etwas umdenken und versuchen an den kleineren Fischen vorbei zu angeln. Mein Plan sah wie folgt aus. Den Futterplatz konzentrierter anlegen und beide Ruten abseits des Platzes auszulegen. Eine Rute fischte ich mit einem einzelnen Pinken und geruchsneutralen 20mm PopUp ohne Beifutter und ungefähr 6 Meter vor dem Futterplatz. Die andere Rute beköderte ich mit 2x24mm White Fish Garlic und legte auch diese Rute abseits des Futterplatzes ab. Gefüttert wurden nur zwei Hände 24-er. Ab da kehrte bei mir Ruhe ein. Jan fing weiterhin vereinzelt  Fische auf den

neuen Plätzen. Erst gegen 22 Uhr meldete sich meine 24er Rute mit einem heftigen Run. Ich nahm die Rute auf und sprang sofort ins Boot. Der Fisch wehrte sich heftig. Er stand ziemlich tief und ich hatte Schwierigkeiten ihn hochzupumpen. Nach einem schönen Drill konnte ich ihn landen. Im Gegensatz zum Rest war es ein schwererer Fisch und durch seine schlanke Form und eine breite Schwanzflosse konnte er im Drill viel Druck aufbauen. Am nächsten Morgen sollte der Wecker um 6 Uhr morgens klingeln, aber da war einer etwas zu voreilig und legte wieder einen unglaublichen Run hin. Es war wieder die 24er Rute. Dieser Fisch kämpfte noch heftiger als der am Vorabend und ich habe Mühe gehabt ihn aus der Tiefe nach oben zu befördern. Nach einer Weile lag auch dieser Fisch in meinem Kescher. Jan stand schon ungeduldig am Ufer und wartete gespannt. Es war wieder ein guter Fisch. Etwas runder als der vom Vorabend, aber auch ein toller Fisch, über den ich mich riesig freute.

 

 

Das war auch der letzte Fisch der Session. Danach holten wir die Ruten ein und fingen mit dem Einpacken an. Es war eine super Session mit vielen Fischen und einer tollen Zeit mit meinem Partner. Im Allgemeinen war es eine unglaubliche Woche. Vielleicht lag es auch daran, dass ich von vornherein meine Schwerpunkte anders gelegt habe und nicht wie meistens “verkrampft” versucht habe einen Fisch zu fangen. Natürlich hatte ich in dieser Zeit auch das Glück auf meiner Seite und vielleicht meinte irgendjemand da oben es auch gut mit mir und mir den Wunsch nach einer “schönen Zeit mit guten Freunden” erfüllt. Es gibt ja doch diese kleinen Lichtblicke, die das Leben in einer schweren Zeit erfreuen und einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern.