Manchmal läuft es im Leben nicht so, wie man es sich vorstellt und in dieser Zeit gibt es doch kleine Lichtblicke, die das Leben erfreuen und doch einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Ich glaube besser kann man das, was in den letzten Wochen passiert ist nicht beschreiben.
Aufgrund privater Umstände konnte ich kurzfristig eine Session planen, bei der es einmal quer durch Deutschland gehen sollte. Dabei war es mir wichtig eine gute Zeit mit guten Freunden zu verbringen und das Angeln “sollte” aus meiner Sicht dann doch im Hintergrund stehen. Trotzdem wollten wir das Beste geben um doch noch an den einen oder anderen Fisch zu gelangen.
An einem Donnerstag rief ich Alex an und fragte ihn, was er denn vorhätte und ob er Lust hätte sich mal zu treffen, um ein paar Köder ins Wasser zu halten. Ohne lange zu überlegen, sagte er mir sofort zu. Aber vorher musste noch die Sache mit den Gastkarten geklärt werden. Dazu fuhr er am nächsten Morgen zu einem Angelshop um zu prüfen, ob noch Karten vorhanden sind. Wir haben Glück gehabt und somit stand einer Session am Fluss nichts mehr im Weg. Aufgrund des Internets ist es heutzutage möglich die Spots auch aus der Ferne zu besprechen. Dazu fuhr Alex zu einem Flussabschnitt, den wir schon zwei Mal zusammen befischt haben. Dort angekommen, schickte er mir Bilder und Videos zu, um einen geeigneten Platz zu besprechen und gleichzeitig zu befüttern. Aufgrund der letzten Session, die Alex ein paar Wochen vorher dort durchgeführt hat, wussten wir, dass momentan sehr viel abgestorbenes Kraut im Strom unterwegs ist. Also entschieden wir uns für einen neuen Platz, der im Schatten des Stroms liegt. Die nächsten drei Tage befütterte Alex den Platz aus einem Mix bestehend aus Partikel, wie Mais und Tigernüssen und Boilies unterschiedlicher Größen, sowie halbierte, damit sie am Platz liegen bleiben und nicht die Futterspur unnötig in die Länge ziehen.
Die Karten waren gekauft, der Platz stand unter Futter und für mich standen nur zwei Punkte auf der To-Do Liste. Auto zu beladen und fünfeinhalb Stunden auf der Autobahn zu verbringen. Den Treffpunkt haben wir in der Nähe der Angelstelle ausgesucht und uns auf 7 Uhr morgens verabredet.
Am Treffpunkt angekommen, begrüßten wir uns herzlich, da wir uns schon ein halbes Jahr nicht gesehen haben und gingen erstmal einkaufen. Nach dem Einkauf ging es sofort ans Ufer und ich merkte, wie die Aufregung bei mir schon langsam anstieg. Die Flussangelei ist für mich immer was Besonderes, da man dort auf andere Gegebenheiten trifft, die man normalerweise nicht am heimischen See vorfindet.
Am Ufer angekommen, wurde nochmal alles abgesprochen. Nach dem Aufbau wurden die Ruten auf dem gefütterten Platz großflächig verteilt.
Jetzt konnte der gemütliche Teil beginnen und wir saßen und unterhielten uns ziemlich lange. Am ersten Tag konnten wir direkt einen kleinen Schuppi fangen. Der Rest des Tages und der Nacht blieben ohne Aktion. Während ich mir am nächsten Morgen einen Kaffee gemacht habe, dachte ich darüber nach, ob man eventuell zwei Ruten abseits des Platzes legen sollte um vielleicht die vorbeiziehenden Fische abzufangen. Kaum habe ich den Gedanken zu Ende gedacht, da kam Alex auf mich zu und sagte genau das gleiche zu mir. Das unsere Gedanken, was die Angelei betrifft, ziemlich ähnlich sind, dass wusste ich schon vorher und diese Situation bestätigte es nochmal. Bewaffnet mit einem Deeper ging es ans Ufer und wir begannen damit, uns die Bereiche genauer anzuschauen. Wir entschieden uns im tieferen Bereich und somit auch im Strom zu fischen. Dafür musste aber auch Futter auf die Distanz gebracht werden. Nun hieß es wieder Mal gemeinsames Ackern bei +35 Grad in der prallen Sonne. Der eine bereitete das Futter, der andere befördert es mit einer Futterrakete an den Platz und das in regelmäßigen Abständen, damit immer etwas Futter am Platz liegt. Aufgrund der Vielzahl an Döbeln und Welsen wiederholten wir es mehrmals am Tag.
So wie es sich herausgestellt hat, war die Entscheidung goldrichtig.
Um immer den gleichen Platz zu treffen und somit die Montagen an die untersten Kanten zu platzieren, wurde der Abstand abgemessen und die Schnur eingeklippt. Zwei der Vier Ruten wurden neu beködert und an dem neuen Platz platziert. Ich entschied mich für das altbewährte und beköderte meine Rute mit den Boilies von COD Baits.
Es dauerte auch nicht lange und die erst Rute meldete sich. Was dabei raus kam, hat uns das erste Mal die Sprache verschlagen. Das was auf der Matte lag, kann man mit einem Sechser im Lotto vergleichen. Der erste Fisch gepflügt vom neuen Platz und gleich ein wunderschöner. Es war ein Zeiler. Ein Zeiler aus einem Fluss!
Wir konnten es kaum glauben. Während ich kein Wort sagen konnte, fragte mich Alex die ganze Zeit ob mir bewusst ist, was wir da gerade gefangen haben? Mir war es bewusst. Nur konnte ich mich dazu nicht äußern.
Nachdem wir den Fisch versorgt haben, flog die Rute direkt auf den gleichen Platz. Für mich war jetzt schon die Session ein voller Erfolg und das was noch kommen sollte, wäre für mich einfach nur ein Bonusfisch. Es wäre auch nicht schlimm, wenn nichts Weiteres passiert wäre.
Im Verlaufe des Abends und der Nacht machte uns das Kraut das Leben zur Hölle und die Ruten wurden regelmäßig neu geworfen. Wir entschieden uns, die Rigs deutlich zu verlängern, damit das am Blei gesammelte Kraut nicht die Montage außer Gefecht setzt und wir dadurch das erneute Auswerfen in der Nacht vermeiden können.
Die Nacht blieb sehr ruhig. Bis kurz vor 6 Uhr der nächste Biss kam. Wieder an der weit entfernten Rute. Der Drill gestaltete sich als ziemlich unspektakulär und wir dachten bis zum Schluss, dass da entweder kein Fisch dran ist oder es ein ziemlich kleiner sein musste. Aufgrund der Menge an Kraut, die sich über Nacht am Blei gesammelt hat, spürte man vom Fisch so gut wie nichts. Am Ufer konnten wir dann feststellen, dass da doch was dran ist und man konnte zwischen dem gesamten Kraut auch ein paar Schuppen erkennen.
Im Kescher wurde der Fisch erstmal vom Kraut befreit und es entpuppte sich der erste größere Fisch der Session. Bei 13,5 kg blieb die Waage stehen und wir erfreuten uns über einen weiteren schönen Fisch aus dem Fluss.
Der Tag gestaltete sich bei uns immer nach dem gleichen Muster. Regelmäßig füttern und immer wieder die Schattenplätze aufsuchen, um der direkten Sonneneinstrahlung aus dem Weg zu gehen.
Wieder Mal verlief der Rest des Tages ziemlich ruhig. Am Abend genossen wir noch die Ruhe am Fluss und philosophierten über die unterschiedlichen Themen des Alltags. Gegen 22 Uhr verabschiedeten wir uns und jeder verkroch sich in seine eigene Höhle. Kurz vor 23 Uhr ging der Bissanzeiger von Alex los. Die Schnur knallte nur noch von der Rolle runter und der Bissanzeiger brüllte ohne Pause. Da Alex ein paar Schwierigkeiten hatte, aus seinem Schlafsack zu kommen, war ich als erster an der Rute. Ich wartete noch einen Augenblick, in der Hoffnung, dass Alex es doch noch erfolgreich aus seinem Zelt schafft. Aber es dauerte mir zu lange und ich nahm die Rute auf. Kurze Zeit später traf auch Alex am Ufer ein und ich wollte ihm die Rute übergeben aber er lehnte dankend ab.
Schließlich haben wir von vornherein besprochen, dass wir alles zusammen durchziehen und gemeinsam versuchen an den Fisch zu kommen. Die gemeinsame Angelei stand für uns an der ersten Stelle und derjenige der zuerst an den Ruten ist, der drillt auch den Fisch aus. Egal um wessen Rute es sich dabei handelt.
Der Drill gestaltet sich nach dem gleichen Muster. Die Fische kämpfen am Anfang im Strom, ziehen dann aber ans Ufer und lassen sich dort ran pumpen. Nur dieses Mal musste man deutlich mehr Schnur aufspulen, um den Fisch ans eigene Ufer zu dirigieren und es wäre doch alles viel einfacher, wenn der Fisch nicht unbedingt eine weitere Montage von mir eingesammelt hätte. Aber zum Glück verlief alles nach Plan und der Fisch lag im Kescher. Im Licht der Kopflampe sah der Fisch erstmal nicht schwer aus, aber als der erste Versuch mit einer Hand den Fisch aus dem Wasser zu heben, kläglich an mangelnder Kraft gescheitert ist, wusste ich dass das ein richtig guter ist und die Frage von Alex „Und wie schaut's aus?” konnte ich mit: “Das Ding ist heftig!” beantworten. Er belächelte mich etwas. Schließlich sah er dann, was da auf der Matte lag. Wir konnten es nicht fassen und es verschlug mir wieder die Sprache. Während Alex total am Durchdrehen war und am Ufer auf und ab lief, machte ich ohne nur ein Wort zu verlieren die Ruten fertig und feuerte sie wieder raus. Dazu bearbeitet ich den Platz wieder mit der Futterrakete, während Alex immer noch durchgedreht auf und ab lief.
Jeder verarbeitet seine Erlebnisse auf eine eigene Art und Weise. Manche brauchen erstmal eine Weile, um es zu verstehen und die anderen lassen einfach direkt alles raus. Nach dem alles erledigt war, setzten wir uns an unseren Tisch und besprachen nochmal das Geschehene und es war einfach unglaublich, was die Tage passiert war. Eine Session die relativ spontan zustande gekommen ist, entpuppte sich als ein Erlebnis, welches jeder von uns beiden nicht mehr so schnell vergessen wird.
Bei dem Treffen stand die gemeinsame Zeit im Vordergrund und dass wir dabei auch noch so schöne Fische fangen würden, hätte keiner von uns gedacht. Für mich war es nur wichtig einen guten Freund wiederzusehen und die Zeit an fremden Ufern, inmitten einer Berglandschaft zu genießen. Alex setzte sich einen +10kg Fisch als Ziel und dieses wurde weit übertroffen.
Da ich am nächsten Tag noch eine weite Strecken vor mir hatte, klingelte der Wecker um 6 Uhr morgens. Nach einem Kaffee wurden die Sachen eingepackt und nach einer Verabschiedung sollte die Reise für mich weitergehen aber nicht nach Hause, sondern zu einer weiteren Session.




